Heute war es saukalt und stürmisch
Ihr Lieben,
es ist erst 17 Uhr und ich sitze schon im Schlafsack. Nicht etwa, weil es mir nicht gut geht, sondern weil ich die Schutzhütte nutzen wollte. Es war den ganzen Tag eisig kalt und hat gestürmt. Wenn man von drinnen rausgeguckt hätte, würde man es für Sauwetter halten. Ist man aber unterwegs, freut man sich an dem Rauschen des Waldes, dem Heulen des Windes, dem Nieselregen, der so schnell wieder trocknet, wie er fällt,allerdings nur auf mir und meiner Kleidung, bedingt durch die Körperwärme. Ich brauchte also kein Regencape. Aber die Straßen und Wege sind schon nass.
Heute Morgen war das Aufstehen sehr, sehr schwer! Es war etwa 2 Grad plus, dazu der Sturm! Ich hatte eine gute Entschuldigung, erst so spät aufzustehen: bis 10 Uhr war Sturmwarnung gegeben, da sollte man nicht unbedingt im Wald herum laufen.
Gegen halb elf kam ich los. Nicht ein einziges Mal habe ich mich heute verlaufen!
Ich hatte so viel Lust und Kraft und bin sehr gut vorwärts gekommen.
Zum Glück konnte ich in einem Restaurant Mittagspause machen, denn zum Sitzen war es viel zu kalt.
Ich habe fast alles angezogen, was ich hatte. Sogar Strümpfe habe ich als Handschuhe benutzt.
Schon um vier bin ich an der Schutzhütte oberhalb von Owen angekommen.
Da ich im Ort auf die Bank gehen muss und es durch den Ort, bis zum nächsten Waldrand ca 5 km sind, habe ich beschlossen,nicht zu hetzen, zumal ich ja nicht weiß, ob ich dort einen geeigneten Schlafplatz finde.Spätestens um sechs muss ich das Zelt aufbauen, es wird ja schon so früh dunkel! Und die Hütte bietet einen super Komfort. Der Weg heute war durchgehend wunderschön. Sehr oft ging es durch hohen Buchen- oder Mischwald. Dann wieder über Wiesen und Felder.
Tatsächlich habe ich Milchkühe auf der Weide gesehen, zum ersten Mal seit 1460 km. (Auch vor zwei Jahren habe ich nie Kühe auf der Weide gesehen. )
Ich erfuhr, dass es sich um einen Demeter Hof handelte.
Der Weg führte streckenweise an hohen Felswänden vorbei. Ich wollte so gern in eine Höhle kriechen, ich liebe es im Bauch der Erde zu sein, aber der Anstieg war zu steil, ich musste aufgeben. Ich habe noch genug zu essen, aber das kalte Wasser ist nicht unbedingt das, was ich mir wünsche. Ich wärme es schluckweise im Mund an, bevor ich es trinke.
Noch habe ich aber Lust und das Wandern macht Spaß. Dennoch könnte es bitte bald wieder wärmer werden.
Morgen stehe ich ganz bestimmt früh auf, zumal in Owen bestimmt irgendwo ein heißer Kaffee auf mich wartet.
Habt es gut, habt viel Freude am Leben
Heide
PS Hinweis: ältere Beiträge findet ihr unter Navigation, Startseite
wanderheide am 22. Oktober 14
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Lauter nette, hilfsbereite Menschen!
Schon um halb acht, es war noch gar nicht ganz hell, habe ich mich auf den Weg gemacht. Ich musste einen großen Umweg machen, denn ich hatte kaum noch Trinkwasser und das Brot wurde auch knapp. So bin ich über Gruibingen gegangen, in der Hoffnung, dort einen Laden zu finden. Aber es gab nur einen Bäcker, genau am anderen Ende des Dorfes. Also bin ich zur Autobahnraststätte gewandert, habe dort zwei Teller Linsensuppe gegessen um dann hinauf zum Bossler zu steigen.
Am Bossler habe ich Doris getroffen, die mit dem Rad unterwegs war.
Sofort wollte sie meinen Rucksack auf ihr Fahrrad laden und hat dann das Rad geschoben. Vier Stunden lang!
Ich hatte vor, im Tal nach einer Übernachtung zu schauen, da Sturm und ein Kälteeinbruch angesagt waren. So machten wir einen Abstecher über Neidlingen.
Dort konnte ich einkaufen, dann im Schützenhaus mit Doris essen.
Unsere Hoffnung, im Schützenhaus übernachten zu können, erfüllte sich nicht. Wegen der Waffen war das nicht möglich. (Doris kannte die Wirtin)
Aber ein netter Nachbar, bei dem ich meinen Rucksack abgestellt hatte, während wir einkaufen waren, hatte angeboten, mich zu einer Schutzhütte zu fahren, falls die Übernachtung im Schützenhaus nicht klappt.
Und so ist es nun geschehen. Der nette Mensch hat sogar noch beim Förster angerufen und sich die Erlaubnis geholt, im Wald fahren zu dürfen.
Jetzt sitze ich oberhalb von Neidlingen, direkt an meinem Wanderweg.
Der Sturm tobt, der Regen prasselt, die Blitze zucken.
Ich habe mein Zelt in der Hütte aufgestellt ( sie ist nach vorn offen)
Nur kalt wird es jetzt, deshalb will ich schnell in den warmen Schlafsack kriechen
Gute Nacht
Heide
wanderheide am 21. Oktober 14
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Heute habe ich die meisten Steigungen
Gut gelaunt und zeitig habe ich mich auf den Weg gemacht. Ein wunderschöner Weg, über Wachholderwiesen, durch hohen Buchenwald, an grünen Wiesen vorbei. Hagebutten leuchten am Wegrand. Die Stimmung in der Natur ist verhalten, es ist diesig und sehr bewölkt. Aber, entgegen der Prognose, regnet es nicht.
Immer wieder habe ich weite Ausblicke in eine Ebene, die dicht besiedelt ist, in der aber einige einzelne Berge aufragen.
In einem Gasthaus am Weg kann ich mich waschen und meine Wasserflaschen füllen. Es gibt keine Orte auf meinem Weg und die zwei Liter Wasser müssen wohl 30 Stunden reichen.
Heute ist der Tag mit den meisten Steigungen, laut dem Höhenprofil auf meiner Wanderkarte. Aber ich habe Kraft und komme gut voran. Nur einmal verliere ich den Weg, weil so viele Bäume gefällt worden sind, dass kein Weg mehr begehbar ist. Doch nach kurzer Zeit finde ich das rote Dreieck, mein Wanderzeichen, wieder.
Heute sind keine Wanderer unterwegs und ich genieße die Ruhe. Aus dem Tal hört man nichts, auch kein Straßenlärm dringt in diese Höhe vor. Das ist so selten in Deutschland.
Gestern, bei Sonnenschein und über 20 Grad waren ganze Völkerwanderungen unterwegs, die Schwaben lieben wandern und so ein Sonntag bietet sich da ja an.
Ich habe mir vorgenommen, bis zum Bossler zu gehen, eine Strecke von 17 km.
Am Bossler gibt es ein Naturfreundehaus. Sicher ist es unter der Woche nicht bewirtschaftet, aber ich hoffe einen geraden und vielleicht auch überdachten Schlafplatz zu finden.
Aber, da ich eine lange Mittagspause gemacht habe, und da es um fünf doch noch angefangen hat zu regnen, habe ich beschlossen in einer winzigen Hütte zu bleiben.
Leider ist das Dach nicht ganz dicht, so dass ich mein Zelt aufgebaut habe. Vorn und seitlich sind nur noch 30 cm Platz. Leider ist eine viel befahrene Strasse in unmittelbarer Nähe. Aber ich weiß, ich kann mir sagen, dieses Geräusch geht mich nichts an und dann kann ich trotzdem schlafen. Heute waren es wieder nur 12 km. Die Tage sind einfach zu kurz. Na ja, mich jagt ja nichts. Ich werde den Abend damit verbringen, etwas polnisch zu lernen.
Alles gute
Heide
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wanderheide am 20. Oktober 14
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Wieder mal der falsche Weg
Spät bin ich im Naturfreundehaus los gekommen, weil Jürgen länger geschlafen hat. Ich war der einzige Gast und wollte ihn nicht stören. Zügig wanderte ich nach Gingen hinunter. Unterwegs gab es berauschende Ausblicke ins Lautertal. Der Weg war gut begehbar und das Wandern machte Spaß. Ich freute mich an kleinen Blumen am Wegrand, Mohn, kriechender Hahnenfuß, Skarbiosen. Löwenzahn.
Die Sonne schien heiß, es waren gefühlte 14 Grad. Ich habe Menschen gesehen, die im Bikini ein Sonnenbad nahmen.
Nachdem ich in Gingen eine Kleinigkeit gegessen hatte, machte ich mich wieder auf den Weg.
Aber, wie so häufig, war der Weg nicht gut ausgeschildert und ich ging auf der falschen Seite des Tales bergan. Mit Hilfe des I Päd fand ich schließlich auf den Wanderweg zurück, aber ich hatte ganz steile Hänge zu bewältigen, musste immer wieder auf die Karte gucken und habe einen Umweg gemacht.
So habe ich für die Strecke, die auf dem richtigen Weg drei km betrug, drei Stunden gebraucht. Völlig kaputt habe Ichmensch Zelt aufgebaut und gehe jetzt, um halb acht schon schlafen.
Euch allen eine schöne Woche
Heide
wanderheide am 19. Oktober 14
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Ohne Worte
Mit den ersten Sonnenstrahlen bin ich gegen acht Uhr los gewandert. Es ging immer bergab, dann in Serpentinen steil bergab. Der Boden war rutschig, Lehm, glatte Steine und moderndes Laub. Obwohl ich sehr langsam und vorsichtig war, bin ich ausgerutscht. Zum Glück habe ich mir nur das Knie etwas verdreht, aber der Schmerz ließ schnell nach und angeschwollen ist auch nichts. Nur, mit dem schweren Rucksack wieder hoch kommen war gar nicht so einfach.
In Weissenstein, das ich nach zwei km erreichte, konnte ich frühstücken, einkaufen und habe dann noch lange in der Kirche gesessen. Unterwegs fragte mich ein Mann, ob es nicht einsam sei, so allein. Ich antwortete, ich sei ja nicht allein, ich begegnete Bäumen, Gräsern und Blumen. " Verstehe " war die Antwort. In diesem einen Wort lag so viel Übereinstimmung . Es war ganz beglückend, so ohne viel Worte verstanden zu werden. Das wünschen wir uns von unseren liebsten Menschen und es ist doch So schwer. Nun ging es den Berg wieder in Serpentinen auf schmalem Trampelpfad bergauf. Auf der Höhe fehlte das Wanderzeichen und so musste ich ein wenig suchen, um wieder auf meinen Weg zu treffen.fast immer auf der Höhe ging es auf kleinen, rutschigen, matschigen Pfaden vorwärts.Die Landschaft war nicht sehr reizvoll, aber ich musste ja sowieso immer auf den Weg achten. Richtig froh war ich, als ich dann ein Stück Strasse gehen konnte. Ich holte Wasser und wollte zur Nacht in einer Schutzhütte bleiben. Aber ich erfuhr, dass es 500 m weiter ein Naturfreundehaus gibt. Dort bin ich jetzt, und Jürgen, der ehrenamtlich heute Dienst hat, hat mich zu einem Glas Wein eingeladen. Wir haben noch bis spät am Abend gesessen. Fünf € kostet mich die Übernachtung, weil ich ja keine Bettwäsche brauche.
So konnte ich alle Sachen waschen und am Kachelofen trocknen.
Jetzt höre ich, dass Jürgen aufgestanden ist. Da kann auch ich mich rühren, denn ich will nicht zu spät weiter.
Einen schönen Sonntag
Heide
wanderheide am 19. Oktober 14
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Ein traumhaft schöner Weg
In der Nacht und am Morgen hat es heftig geregnet. So konnte ich das Zelt nicht abbauen. Erst um halb elf kam ich los, weil der Regen endlich nachgelassen hatte.
Ich ging nach Heubach hinunter, kaufte noch Proviant und machte mich auf den Weg. Zunächst ging es durch Buchenwald, in dem noch kein Herbst sichtbar war. Alle Blätter waren noch an den Bäumen und alle Bäume waren sommerlich grün.
Wenn ich so vor mich hin träume, kann es leicht passieren, dass ich eine Abzweigung übersehe und mich ganz wo anders wiederfinden. So auch heute.
Aber mit Karte, iPad und Ortssinn fand ich auf den Wanderweg zurück.
Nun ging es vorwiegend durch Buchenwald, der ganz licht war. Viele Blätter waren schon abgefallen und die Bäume standen nicht sehr dicht beieinander. Grüngelben leuchtete der Wald, kein Mensch unterwegs, keine Straßen, keine Trecker, wieder diese himmlische Ruhe.
Aber ich hatte nicht so recht Kraft, deshalb machte ich eine lange Pause. Ich schlief ein wenig im Sitzen, ich atmete die wunderbare Landschaft ein und hätte am liebsten mein Zelt aufgebaut, um an diesem wundervollen Ort zu bleiben . Aber es war noch zu früh. Am Nachmittag ging das Wandern besser.
Am besten ist es, wenn " es mich geht" das meint, ich strenge mich nicht an, ich denke nicht ans Gehen, ganz ohne Mühe, in meinem eigenen Tempo nehme ich Schritt für Schritt und bin glücklich. Bis etwa 2km vor Weissenstein bin ich noch gewandert. Der Förster, der mich im Auto überholte, fragte, ob er mich mitnehmen solle. Ich antwortete, ich hätte es nicht mehr weit, ich würde mir gleich einen geeigneten Platz suchen, um mein Zelt aufzubauen.
Ich habe mich für den Nadelwald entschieden, in der Hoffnung, dass das nasse Zelt etwas trocknet. Der Tau kommt im Nadelwald nicht so durch.
Gute Nacht und ein Schönes Wochenende
Heide
wanderheide am 17. Oktober 14
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Ich wasche mich in einer Pfütze
Schon früh bin ich heute aufgewacht. Da es noch so dunkel war, habe ich noch ein wenig polnisch gelernt und bin gegen acht aufgebrochen.
Von Aalbäumle erst einmal bergab, dann steil bergauf zum Volkmarsstein. Ein wunderschöner Weg und ich schaffe den steilen Anstieg gut, wenn auch langsam.
Am Volkmarsstein ist es wunderschön. Lichte Wachholderwiesen, große alte Buchen und Eichen, die alle einen Namen haben, bezaubern mich.Schön, Bäumen einen Namen zu geben. Der Weg führt, wie gestern, durch hohen Wald, ab und zu ein wenig Nadelwald, der noch relativ gesund aussieht. Nur zwei mal geht es durch ein offenes Tal.
Schön, zu sehen, wie der Nebel den Waldrand streichelt. Aus dem Wald dampft es, die Erde atmet aus!
Es ist ganz still, nur die Vögel zwitschern leise vor sich hin. Ich bemühe mich, leise aufzutreten, aber das Laub raschelt und die Stöcken klicken, das kann ich nicht ändern. Den ganzen Tag begegnen mir: ein Auto, zwei Radfahrer und eine Spaziergängerin. Stille, Stille, Stille! So ist die Welt gewollt und der Mensch hat seit Jahrtausenden in dieser Stille gelebt.
Ich habe wieder wenig Wasser, da der Weg keine Orte berührt, kann ich nicht nachfüllen. Bäche gibt es auch nicht und ich bin noch nicht gewaschen. Aber da. . .
eine tiefe Treckerspur voller Wasser! Ganz vorsichtig schöpfe ich mit einem Becher von oben ab, mache den Waschlappen immer wieder nass und bringe so eine einigermaßen passable Wäsche zu Stande.
In einem Buchenwald sehe ich ein Gedenkkreuz für einen Wanderer, der mit achtzig Jahren auf einer Wanderung tot umgefallen ist. Ein schöner Tod? Ich glaube, ich würde mich gern bewusst vom Leben verabschieden, den Übergang in eine andere Welt mitbekommen. Aber wer weiß, vielleicht hat er ja auf seine Weise den Übergang erlebt, nur von der anderen Seite aus.
Und dann fängt es an zu regnen, zu pladdern, zu schütten. Der Wind fegt mir das Regencape um die Beine, hebt es an, so dass die Hose trotz Gamaschen klitsche nass ist. Essen kann ich auch nicht, bei dem Regen. Endlich komme ich nach Lauterburg. Dort gibt es ein sehr gepflegtes, geschlossenes Bushäuschen.
Dort werde ich essen und vor allem mein Wasser auffüllen. Zwei Liter für 22 Stunden ist sehr knapp. Mike Young, ein Schwarzamerikaner, der mit einer Schwäbin verheiratet ist, kommt gerade nach Hause. Ich bitte um Wasser und werde sofort zum Essen eingeladen. Und hinterher darf ich auch noch duschen und Haare waschen.
Da es spät geworden ist, fährt mich Natascha, die Tochter nach Heubach, wo ich noch einmal mit meiner Schwester verabredet bin. Vorher zeigt mir Natascha einen guten Zeltplatz am Anfang des Ortes auf einem Parkplatz, an den meine Schwester mich dann, nach einem gelungenen Abendessen, fährt. Zum ersten Mal baue ich im Dunkeln auf, aber die Scheinwerfer des Autos leuchten mir, bis das Zelt steht. Dann fährt meine Schwester heim Alles andere geht mit der Kopflampe wunderbar.
Morgen gibt es wieder keine Orte am Weg, aber ich kann mir die Wasserflaschen in Heubach füllen, so dass zu mindest die Morgentoilette gesichert ist.
Jetzt muss ich schnell schlafen, denn auf dem Parkplatz will ich nicht so lange bleiben und lieber früh los.
Gute Nacht
Heide
wanderheide am 17. Oktober 14
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Bier zum Frühstück
Der Schwäbisch Alb Weg ist soooooo schön !
Aber der Reihe nach.
In der Schutzhütte auf dem Wöllerkopf habe ich wunderbar geschlafen.
Schon früh war ich wach und habe noch ein wenig polnisch gelernt, weil es noch zu dunkel war um aufzustehen.
Beim Abstieg habe ich offenbar den falschen Weg erwischt und musste zwei km Umweg um den Berg herum gehen. Aber mein Ortssinn hat mich nicht verlassen und ich habe den Wanderweg gut wiedergefunden.
Der Weg führte ausschließlich durch hohen Wald. Meist Laubwald mit einigen Fixhten dazwischen, die mit ihrem dunklen Grün einen reizvollen Kontrast abgeben.
Da es wenig Orte auf dem Weg gibt, gibt es auch wenig Straßen, die ich kreuze und deshalb wenig Autolärm. Da ich an keinen Feldern vorbei komme, nerven die Trecker und Landmaschinen nicht. Es ist eine wundersame Ruhe. Der Wald ist wie verzaubert. Die Buchen sind schon recht Licht, ich denke drei viertel der Blätter sind schon abgefallen. Die Sonne strahlt in das grün, braun, goldene Laub das vom Regen der Nacht noch ganz nass ist. Riesige Tropfen glitzern wie Diamanten,
Wie kleine Spiegel reflektiert die Nässe das Licht.
Aber es gibt ein Problem: ich habe nicht genug Trinkwasser.
Ich frage die Waldarbeiter, ob sie mir etwas Wasser geben können.sie haben nichts, aber einer von ihnen fährt zur nahen Hütte, wo sie Bier haben. Ich bekomme eine Flasche voll geschenkt, so dass ich schon zum zweiten Frühstück Bier trinken muss bzw kann. Ich bin froh, keinen Durst leiden zu müssen.
Kurz nach eins bin ich in Unterkochen und nehme den Bus nach Aalen ( die Busverbindung hat mir mein Freund Alfons rausgesucht )
InAalen gehe ich ausführlich essen, denn das i Päd muss geladen werden.
Anschließend hole ich mir in der Buchhandlung die Wanderkarte, die ich so dringend brauche. Sowohl Alfons, als auch Imke haben dafür gesorgt, dass ich
in Aalen die Karte bekomme, die den ganzen Weg als Leporello zeigt.
Ich nehme den Bus zurück nach Unterkochen, von wo aus ich gegen fünf wieder aufbreche. Der Weg geht steil bergan, aber das strengt mich nicht übermäßig an, obwohl ich viel Wasser dabei habe, denn auch morgen komme ich erst nachmittags in einen Ort. Ja, und nun sitze ich wieder in einer Schutzhütte am Aalbäumchen.
Als erstes bin ich auf den Aussichtsturm gestiegen, der 24 m hoch ist und von dem aus man einen Rundumblick von 360 Grad hat.
Ich bin erstaunt, wie dicht das Tal besiedelt ist. Hier oben im Wald bekommt man davon gar nichts mit. Die Wälder sind nicht so bunt, wie sonst im Herbst, in der Ferne sehen sie braun aus. Das liegt daran, dass es zu wenig Kälte gibt, was mir morgens gar nicht unlieb ist.
.Wenn man durch den Wald geht sieht man schon die Gelbanteile. Ich stelle mein Zelt in der Hütte auf, da habe ich meinen kleinen privaten Bereich. Die Dunkelheit senkt sich ganz sacht übers Land. ( wer ist wohl auf die Idee gekommen zu sagen, die Dunkelheit bricht herein? )
Ein später Fahrradfahrer kämpft sich den Berg hoch. Der Kautz findet das gar nicht gut und macht ein riesen Geschrei. Das Licht stört ihn, und mich auch.
Ich verhalte mich still, habe keine Lust mehr auf Gespräche.
Nun will ich noch Abendbrot essen und dann geht es bald in den warmen Schlafsack.
Einen wunderschönen Tag wünsche ich euch morgen

wanderheide am 15. Oktober 14
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Durch goldenen Buchenwald
An der Egerquelle habe ich wunderbar geschlafen. Allerdings fiel mir das Aufstehen schwer. Am Abend zuvor hatte ich mich nur partiell gewaschen, weil ich rechnete, dass der Jäger zurück kommen würde. Ich hätte mich mit Stirnlampe waschen müssen, weil das Gelände steinig und steil war und das wäre aufgefallen.
So stand mir bevor, mich ganz zu waschen und wenn ich an das kalte Wasser dachte, wollte ich doch lieber noch ein wenig im warmen Schlafsack bleiben.
Als ich aufgestanden war, habe ich das kalte Bad genossen, das ist immer so.
Der Weg ist wunderschön, fast immer durch Hochwald, der golden schimmert.
Meine Seele ist wie ein Vogel, sie fliegt mir davon, um sich mit der großen Schönheit zu verbinden. Dann muss ich auf sie warten und Pause machen, warten, bis sie sich satt getrunken hat.
Der Weg ist sehr gut ausgeschildert, aber ich darf nicht wegträumen, sonst verpasse ich Abzweigungen. Zwei mal ist mir das passiert.
Im Ort, ich habe den Namen vergessen und die Karte nicht zur Hand, möchte ich zu Mittag essen. Aber das Gasthaus schließt schon um eins und ich bin viertel nach eins dort. Auch die Bäckerei macht erst um drei wieder auf.
Eine alte Frau gibt mir eine Schnitte Brot mit Wurst, es ist ihr letztes Brot, aber sie will nachmittags sowieso etwas kaufen.
Ich beschließe bis drei zu warten, bis der Bäcker auf macht und noch ein wenig einzukaufen, denn ich habe kein Proviant mehr im Rucksack.
Dann geht es weiter. Der Weg ist fast eben, wieder geht es durch hohen Mischwald, immer wieder habe ich weite Ausblicke ins Riet, das ich von der anderen Seite, vom Frankenweg her ja schon kenne.
Ja, und nun bin ich auf den Gipfel des Wöllerkopf gegangen, 723 m hoch.
Dort gibt es einen schönen Sitzplatz, ein Gipfelkreuz mit Gipfelbuch und Wanderkarte und eine winzige, liebevoll gestaltete Holzhütte. Dort werde ich übernachten. Für morgen früh ist Regen angesagt, dann muss ich kein nasses Zelt einpacken.
Ich sitze noch draußen, habe das Abendrot bewundert und die Dunkelheit herauf ziehen sehen. Der Wald und seine Bewohner sind schlafen gegangen, nur der Kautz ruft in der Ferne. Und ich werde jetzt auch in den Schlafsack kriechen, weil es recht kühl wird.
.Gute Nacht und einen erfreulichen Tag wünsche ich euch
Heide
wanderheide am 14. Oktober 14
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An der Egerquelle
Heute habe ich nur bis halb vier geschlafen, dann aber noch gut ausgeruht.
Der Weg war nicht beschwerlich und trotzdem war ich langsamer als in den vergangenen zwei Tagen.
Aber Alfons hat ja eine Engelsgeduld, er drängt nie. Das würde ja auch keinen Sinn machen, wenn die Kraft fehlt.
Bis Bopfingen sind wir gewandert, haben dort noch zu Mittag gegessen und dann habe ich Alfons zum Zug gebracht und bin allein weiter gewandert.
Am Anfang war es etwas traurig und einsam.
Aber der Weg ging in Serpentinen ganz steil bergan, da brauchte ich alle Kraft um das zu schaffen. Und dann kam ich in einen Buchen Hochwald. So wahnsinnig schön, dass es im Bauch kribbelt. Über einen langen, schmalen Grat geht es langsam abwärts. Zu beiden Seiten fällt das Gelände steil ab, so dass ich in Höhe der Baumwipfel wandere. Und dann geht es in Serpentinen steil bergab.
Ich bin mir der Gefahr bewusst und setze jeden Schritt mit voller Konzentration.
Am gegenüber liegenden Hang leuchten die Buchen in Gelb und Brauntönen.
Steinwände ragen senkrecht empor. Ich muss vorsichtig sein, damit ich nicht mit dem Rucksack dagegen stoße und den Halt verliere.
Der Weg ist anstrengend aber sehr, sehr schön.
Viel später, als gedacht, komme ich an der Egerquelle an.
Ich bin angestrengt, aber glücklich.
Mein Zelt kann ich nicht auf die Wiese stellen, weil dort gerade der Jäger angekommen ist und es bestimmt nicht gern sieht, wenn ich ihm die Tiere verjage.
So baue ich direkt an der Quelle, vor einer Bank auf.
Der Streifen ist schmal, dann geht es vier Meter senkrecht runter zum Quellteich.
Etwas abschüssig ist es auch, aber das kann ich ausgleichen, indem ich Rucksack und Regencape unter die Luftmatratze lege.
Aber ich darf auf keinen Fall links zum Zelt rausgehen, da sind nur 20 cm bis zum Abgrund.
Also habe ich mir meine Kleidung vor den Ausgang gelegt, was ich sonst nie mache, und habe das Aussenzelt geschlossen und den Reißverschluss unterm Zelt enden lassen. So kann ich, wenn ich nachts wach werde, nicht vergessen, dass ich dort nicht raus darf. Bis zur Bank habe ich auch nur 30 cm Platz, aber das reicht.
Ich habe möglichst wenig Licht gemacht, der Jäger muss ja nicht unbedingt mitkriegen, das ich hier zelte. Aber inzwischen habe ich ihn heimfahren hören.
In der Ferne kreischt das Sägewerk, eine Bahnlinie geht unmittelbar hier vorbei, jedoch etwas höher. Aber alles wird von dem intensiven Plätschern übertönt, was ich so sehr liebe.
Ich denke, ich werde gut schlafen können.
Da ich kein Netz habe kann ich den Beitrag erst morgen ins Netz stellen.
Gute Nacht
Heide
wanderheide am 14. Oktober 14
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In Schwaben unterwegs
Heute sind wir erst etwas später los gewandert. Die Landschaft ist faszinierend!
Wald, der sich allmählich herbstlich färbt, enge Täler mit freundlichen Lichtungen,
Kleine Dörfer wie aus einer Spielzeugstadt.
Mit Alfons gibt es gute Gespräche, wir schreiten munter dahin und machen nur zwei mal Pause. Einmal in einem Gasthof, umMittag zu essen und das I Päd aufzuladen, einmal auf einer sonnigen Lichtung, um unsere Zelte zu trocknen. Es hat in der Nacht viel geregnet und morgens tropfte der Nebel von den Bäumen.
Nun haben wir zwei Schlafplätze im Wald gefunden, recht eben, und zu Essen haben wir auch noch genug. Es ist also alles ganz prima.
Ich wünsche euch eine schöne Woche, viel Freude an eurem Tun
Heide
wanderheide am 12. Oktober 14
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Mit Alfons auf dem Schwäbisch Alb Weg,
Schon früh bin ich heute Morgen aufgebrochen, es waren noch 4 km bis zum Bahnhof.
Aber ich gehe, zumindest Vormittags, doch deutlich schneller, und so war ich schon eine halbe Stunde zu früh am Bahnhof. Enttäuschend war, dass ich in Harburg, wo sich vier Wanderwege treffen, keine Wanderkarte kaufen konnte.
So habe ich mich für de nördlichen Alb Weg entschieden, der landschaftlich schöner ist, aber 16000Höhenmeter hat, also eine recht anspruchsvolle Tour.
Alfons hat auf seinem i Päd ganz tolle Karten. Wenn er wieder nach Hause fährt, muss ich unbedingt sehen, wo ich eine Karte her bekomme.
Wir sind gewandert und haben erzählt und uns gefreut, dass wir miteinander sein konnten. Der Weg ums Ries ist noch immer nicht beendet, erst bin ich auf der Fränkischen Alb ums Ries herum gelaufen und habe in der Ferne die Schwäbische Alb gesehen, jetzt laufe ich auf der Schwäbischen Alb und sehe in der Ferne die Fränkische Alb.
Wir haben einen wunderschönen Schlagplatz gefunden. Ich unter einer alten Buche, Alfons nah dabei auf der Wiese.
Ein Bach mit sehr viel Wasser bot eine gute Waschgelegenheit, und ein Sitzplatz mit Tisch die bequeme Möglichkeit für ein köstliches Abendbrot. ( zum ersten Mal in fast vier Wochen bin ich an einem Supermarkt vorbei gekommen )
Hier ist es ganz still, nur ein Reh bellt ab und zu.
Heute habe ich es geschafft 22 km zu laufen, ohne dass ich an meine Grenze kam.
Habt einen schönen Sonntag
Heide
wanderheide am 11. Oktober 14
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Glück und Schmerz nah beieinander
Von meinem Schlafplatz bin ich nach Wemding hinein gewandert, habe dort noch die Ausstellung über das Ries angeschaut , an einer Stadtführung teilgenommen und bin dann auf Harburg zu gegangen.
Der Weg führte durch hohen Buchenwald. Das habe ich am liebsten!
Kafka hat einmal gesagt, man könne jahrelang im Moos liegen und über den Wald nachdenken. Für mich wäre es eher so, dass ich mich in den Wald einfühlen könnte, ganz, ganz lange.
Ich frage mich immer wieder, was einen Märchenwald ausmacht. Ich hatte gedacht: Laubwald, licht, wenig Unterholz, ziemlich eben. Und dann komme ich in einen Wald, der all das nicht hat und trotzdem ist es für mich ein Märchenwald. Ich kann es nicht erklären, aber ganz klar spüren.
Bäume sind wie Freunde. Sie sind für dich da, sie trösten, sie wollen dich nicht ändern, akzeptieren dich wie du bist und schenken dir ihre Ruhe, ihre Kraft, ihre Schönheit und ihr Sein.
Es gibt Bäume, die sind so erhaben, dass man sie mit "Sie" ansprechen müsste und es gibt Bäume, für die der Ausdruck " ihre Majestät" passend wäre.
Und dann wieder die kleinen Schösslinge, die so eifrig ins Leben wollen und doch so dicht stehen, dass nur wenige es schaffen werden groß zu werden.
Das Wandern macht mich sensibler : ich nehme alles intensiver wahr. Gerüche, Geräusche, Farben und Formen.
Aber
Dadurch schmerzt auch vieles intensiver.
Als ich an einem riesigen Steinbruch vorbei gekommen bin, konnte ich den Schmerz körperlich spüren.
Wie gehen wir mit Mutter Erde um! Mit Baggern und Sprengstoff reißen wir ihren Leib auf und finden das ganz normal.
Die Bauern sind in der Maisernte, die Erntemaschine macht einen Höllenlärm. Sie schneidet und hexelt und pustet das Geschnipsel auf einen Anhänger, der vom Trecker genau parallel zur Erntemaschine gefahren wird. Wenn das mich schon so nervt, obgleich ich das Geräusch zuordnen kann, wie muss es dann den Pflanzen und Bäumen gehen, die diesen Lärm nicht zu deuten wissen?
Die Fichten sind fast alle krank. Man sieht es daran, dass die Seitentriebe der Äste nicht waagerecht stehen, sondern senkrecht runter hängen. Lamettaeffekt nennt man das.
Noch schlimmer geht es den Lärchen. Sie sind alle am absterben. Ich habe nicht einen gesunden Baum gesehen.
Nun ist meine Wanderung ums Ries herum beendet. Das Ries ist durch einen Asteroiden Einschlag vor 14 Millionen Jahren entstanden. Auch den Frankenweg bin ich morgen früh zu Ende gewandert. Dann wechsle ich auf den Schwäbisch Alb Weg.
Um neun treffe ich mich mit meinem Freund Alfons und wir gehen einige Tage gemeinsam. Darauf freue ich mich sehr.
So, für heute gute Nacht.
Eure Heide
wanderheide am 10. Oktober 14
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Das letzte Bad in diesem Jahr ?
Heute nur kurz, weil ich ziemlich müde bin!
Ich bin schon mit dem ersten Tageslicht, kurz nach sieben, los gewandert.
Aber irgendwie hatte ich keine rechte Kraft. Vielleicht hatte ich zu wenig gegessen?
Ich habe auf der Wanderung fast nie Hunger, aber ich kann immer was essen.
So machte ich um halb neun schon die erste Pause und hatte Glück: das Bäckerauto kam gerade, so dass ich nicht nur mein letztes Brot, sondern auch noch ein Teilchen essen konnte.
Im nächsten Dorf sollte es einen Laden geben, darauf habe ich mich schon gefreut.
Aber dann haben sie den Frankenweg verlegt, so dass er am Ort im großen Bogen vorbei führte.
Da ich weder Wasser noch Essen im Rucksack hatte, musste ich in den Ort zurück laufen, mehrere km Umweg. Dafür wurde ich aber mit einer Badeanstalt belohnt, die ganz offen an der Strasse lag. Wie staunte ich, als ich sah, dass in dem Becken noch Wasser war!
Obwohl ich mich eine halbe Stunde vorher gewaschen hatte, beschloss ich, ein Bad zu nehmen.
Da das Wasser recht kalt- und ich sehr erhitzt war, bin ich sicherheitshalber am Rand geblieben. Ich konnte auch nur kurz im Wasser sein, es war zu kalt.
Aber ich denke, es wird möglicherweise das letzte Bad in diesem Jahr sein und das wollte ich ausnutzen
Etwa eine Stunde später habe ich dann ein langes Sonnenbad genossen.
Kurz vor sechs kam ich zu der barocken Wallfahrtskirche kurz vor Wemblingen.
Ich habe mir die Kirche angeschaut, wobei Barock nicht unbedingt meine Sache ist.
Aber die Atmosphäre in einer Kirche habe ich sehr gern.
Nun war es schon spät und mein Weg hätte mich noch recht lange durch den Ort geführt, so dass es dunkel geworden wäre, bis ich außerhalb einen Schlafplatz hätte suchen können.
Aber welch ein Glück: ein Obstgarten, sehr gepflegt, gemähte Wiese und in dem Hanggelände eine fast gerade Stelle. Da nehme ich gern in Kauf, dass ab und zu ein Auto vorbei fährt.
Ich glaube nicht, dass ich es morgen bis Harburg schaffe, aber übermorgen Vormittag müsste ich das Ende des Frankenweges erreicht haben.
Gute Nacht
Heide
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wanderheide am 09. Oktober 14
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Der Engel aus dem Kuhstall
Gertraud heißt die Wirtin im Gasthaus Rose.
Es gibt ein Buch, das heißt : vom Wispern des Waldes und vom Sinn des Wanderns (oder so ähnlich)
Darin beschreibt ein Wanderer Gertraud., Sie ist um die 50, eine herbe Schönheit,
Immer ein Lächeln auf den Lippen. In einer abgetragenen Jeans,T Shirt und einer nicht mehr ganz sauberen Schürze. Gertraud ist eine stolze, selbstbewusste Frau, die ihre Gäste einzuschätzen und zu nehmen weiß. Oft kommt sie direkt aus dem Kuh-oder Schweinestall, um dann die Gäste zu bedienen.
Als ich z.B. einen Salat bestellt habe, meinte sie, erst gäbe es eine Lauchsuppe, damit ich etwas Warmes im Bauch hätte. Dann würde ich ja außerdem das Trinken sparen.
Einem ehemaligen Studienrat verordnet sie ein Mettbrot, da er zu Hause sonst immer nur das Gleiche essen würde.
Wenn Gertraud nicht bedient, ist sie im Haus oder im Stall beschäftigt. Dann muss man mit einer Funkglocke nach ihr klingeln.
Am Abend ist das kleine Lokal voller Stammgäste. Jeder wird herzlich begrüßt.
Gertraud hat einen Mann, der aus gesundheitlichen Gründen nur sehr beschränkt helfen kann, einen alten Vater, der kaum laufen kann und eine Mutter, die vom Tisch abräumen aus der Puste kommt.
41 Kühe müssen versorgt und gemolken werden.
Gestern Abend hörte ich Gertraud, als sie schlafen ging. Mit einem leisen Lied auf den Lippen kam sie hoch, es war 23 Uhr. Ihre Nacht war kurz, schon kurz nach fünf hörte ich sie in den Stall gehen. Und dann brummte die Kühlung für die Milch.
Als ich zum Frühstück ging, sang sie wieder leise vor sich hin.
Das Frühstück war grandios: Ei, Yogourt, Saft, Obst, Wurst, Käse, Marmelade,Kuchen und eine Tüte, damit ich mir etwas einpacken kann.
Da ich wenig frühstücke, nahm ich mir etwas Käse und eine Apfelsine mit.
Aber da habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Gertraud packte mir noch Kuchen, Käse, und eine Nektarine ein.
Als ich um eine Stopfnadel bat, da mein Pullover durchgescheuerte Ellenbogen hatte, beschloss Gertraud, ich solle den Pullover gleich stopfen.
So kam ich erst nach neun los.
Welch ein Glück, wieder draußen zu sein! Am Bach bleibe ich stehen, horche auf das Murmeln und Plätschern, schaue dem Buchenblatt zu, dass eilig dahin schwimmt. Der Wind hüllt mich ein,zart und kräftig zugleich. Ein betörender Duft vom blühenden Raps lässt noch einmal den Frühling aufleben.
Ich bin so glücklich, dass ich nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll.
Ich bin da, mittendrin in dieser wunderschönen Welt. Die frisch gepflügte Erde leuchtet rostrot, die gelben Rapsfelder, das zarte Grün der frischen Getreidesaat , der olivfarbene Waldrand und die dunklen Fichten bilden eine Symphonie von Farben, die schöner nicht sein kann.
Schade, dass Yukon jetzt nicht bei mir ist! Ich habe mich immer gefragt, ob er wohl ein Empfinden für die Schönheit der Natur hat.
Den ganzen Tag bin ich gewandert. Nicht schnell, in meinem eigenen Rhythmus.
Der Weg war stellenweise nicht ausgeschildert, so dass ich Umwege machen musste und stellenweise hin und her gesucht habe. Aber das hat mich nicht einmal ärgerlich gemacht. Ich war so gelassen, so getragen von all dem Schönen, dass nichts diese Stimmung stören konnte.
Die Ausschau nach einem Schlafplatz gestaltete sich wieder schwierig.
Zwar waren am See jede Menge gute Plätze, aber alles war so offen und viele Spaziergänger waren unterwegs. Da wollte ich nicht bleiben, das wäre unvorsichtig.
Mit Yukon wäre das gegangen,aber so bin ich noch in den Hochwald gelaufen und habe oben, auf der Kuppe einen geraden Platz gefunden.
Ich wünsche euch allen viel, viel Freude. ( ach, könnte ich meine Freude teilen)
Liebe Grüsse Heide
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wanderheide am 08. Oktober 14
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Zwei mal Heidenheim
Es war eine ruhige Nacht auf dem Hexentanzplatz. Nur der Uhu rief von ferne Am Morgen wanderte ich durch hohen Mischwald, der verträumt im Dunst lag, hinunter nach Treutlingen. Das Museum war eine Enttäuschung, ich hatte gehofft, etwas über die Botanik und Geologie des Altmühltales zu erfahren.
Es wurde der Asteroideneinschlag ins Nördlinger Ries
erklärt. Das war ganz interessant, aber die übrigen Erklärungen bezogen sich allgemein auf den Wald und waren mir bekannt. Na ja, aber ich habe ein paar Besorgungen gemacht und zu Mittag gegessen. Dann war ich so müde, dass ich noch in einem Café eine große Tasse Kaffee getrunken habe. Erst nach zwei bin ich weiter gewandert.
Es ging stetig leicht bergauf, aber das strengt mich nicht mehr besonders an.
Ab sechs hielt ich Ausschau nach einem Schlafplatz. Aber das Gelände war überall abschüssig. So wanderte ich immer weiter, in dem Vertrauen, dass bestimmt ein guter Platz käme. Es wurde sieben, es wurde halb acht, es war finster und noch immer kein Platz in Sicht. Ich kam auf die Strasse und dort, oberhalb eines Bauernhofes schien es mir einigermaßen gerade zu sein.
Der Bauer, der noch am Arbeiten war, sah mich und schlug mir vor, in seinem Carpot zu nächtigen. So sitze ich nun hier, die Melkmaschine macht einen riesigen Krach, aber das soll wohl nur bis halb zehn gehen.
Auf jeden Fall bin ich dankbar, doch noch ein Plätzchen gefunden zu haben.
Mal schauen, was der morgige Tag so bringt.
Liebe Grüsse Heide
Heute habe ich wieder kein Netz.
Ich hänge gleich den nächsten Tag dran:
Die Nacht war unruhig. Die Kühe klapperten mit ihren Ketten, ab und an muhte eine zufrieden vor sich hin.
Die Kühlung für die Milch sprang immer wieder an und machte einen erstaunlichen Krach.
So war ich schon um fünf wach und begann um halb sechs mich für den Aufbruch fertig zu machen.
Schon um sieben wanderte ich los. Hinein in das erste,zaghafte Tageslicht,
hinein in den Nebel, hinein in die stille Welt.
Inzwischen ist es so, dass ich das Gehen vergesse. Es strengt mich nicht mehr an und ich laufe automatisch.
Der Schlafsack, der ganz unten in meinem Rucksack steckt, wärmt und massiert mir das Kreuz.
Der kühle Wind streichelt meine Arme.( ich laufe in einer ärmellosen Bluse)
Der Nebel tropft von den Bäumen, dabei knistert der Wald ganz leise.
Langsam und stetig schreite ich voran. Ich freue mich auf den Tag, denn um fünf bin ich mit meinem Freund Alfons verabredet. In Heidenheim.
Wir haben uns zwei Jahre nicht gesehen. Alfons ist auf der Heimreise von seiner Schwäbisch Alb Wanderung Schon gegen Mittag werde ich in Heidenheim sein, dann Quartier für uns suchen und Alfons um halb fünf vom Bahnhof abholen.
Ein gemeinsamer Abend, eine warme Dusche und seit drei Wochen das erste Mal wieder ein BETT !
Ich komme auf den Hang, oberhalb von Heidenheim. So klein ist der Ort?
Und wo ist die Burg? Ich habe 10 Jahre lang auf der Burg zum Kinderfest Puppentheater gespielt.
Das KANN doch nicht Heidenheim sein!
Ich frage Leute nach der Burg. Es gibt keine Burg! Ich frage nach dem Bahnhof. Es gibt keinen Bahnhof ! Ich frage, ob es noch ein Heidenheim gibt und erfahre: dies ist Heidenheim in Mittelfranken, größer und bekannter ist Heidenheim an der Brenz.
Riesige Enttäuschung! Kein Treffen mit Alfons, keine Dusche, kein Bett.
Ich muss zugeben, dass ich etwas niedergeschlagen war.
Wie konnte das passieren? Die Wanderkarte vom Frankenweg zeigt nur ein ganz geringes Umfeld und der Internetanschluss ist nicht stark genug, um eine Karte herunter zu laden.
Aber wenigstens gibt es in diesem Heidenheim einen Gasthof.
Die Wirtin ist entzückend. Eine solche Herzenswärme allen Gästen gegenüber, also auch für mich Fürsorge und das Bemühen, mich zu verwöhnen.
Für fünf Euro bekomme ich eine Suppe, einen Salat und eine Tasse Kaffee.
Als ich gerade im Aufbruch bin, erfahre ich, dass man für 12 Euro eine Übernachtung mit Frühstück bekommt. Ich entschließe mich zu bleiben.
Kein Alfons, leider, aber eine Dusche, ein Bett, frisch gewaschene Wäsche
Und ein Nachmittag an dem ich ausruhen kann.
So sitze ich jetzt in meinem Zimmerchen und freue mich auf alles, was das Leben mir bringen wird. Ich fühle mich reich beschenkt!
Eure Heide
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wanderheide am 07. Oktober 14
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