Freitag, 4. Mai 2012
Glück im Unglück
Ich schreibe heute von Donnerstag und Freitag.
Gestern( Donnerstag) war ich schon um 14.30 in Strausberg. Ich wollte mir ein Zimmer nehmen, aber in Strausberg ist Golfturnier und alle Zimmer ausgebucht. Ich hatte aber in der Apotheke die Blutegel bestellt, also musste ich in Strausberg bleiben.
Die Inhaberin einer Pension ermöglichte es mir, auf ihrem Seegrundstück zu zelten. Sie hat mir ihr Fahrrad geliehen, damit ich zur Apotheke fahren konnte, die immerhin noch 4 km entfernt war.
Ich hatte also Glück, weil ich alles hatte, was ich brauchte, ohne dass ich etwas zu bezahlen brauchte. Und zuerst sah es so aus als hätte ich Unglück, weil es kein Zimmer mehr gab.
Um die Egel zu bestellen, habe ich von unterwegs im Internet die Strausberger Apotheken rausgesucht. Nachdem ich bei vieren vergeblich angerufen hatte, war die fünfte in der Lage, die Egel innerhalb von drei Stunden zu beschaffen. ( ich lobe immer wieder die Technik des Internets.)
Ich habe bis zum Abend gerade noch geschafft,alles zu erledigen, das Zelt aufzubauen und die Egel zu setzen.
Heute habe ich alle meine Sachen auf Vordermann gebracht, mit einem Eigelb im See die Haare gewaschen, vor allem aber den Rucksack geschrubbt. Mir war ja Öl ausgelaufen. Ich brauche immer etwas Öl,um mir einen Salat aus Wildkräutern oder eine Brennesselsuppe zu machen. Außerdem bekommt Yukon etwas davon ins Essen, wenn ich mal nur Knäckebrot in Wasser für ihn habe. Auch als Hautöl ist es brauchbar, besonders, wenn ich das leicht nussige Leinöl bekomme.
Der Rucksack ist richtig gut geworden, da bin ich heilfroh , denn er hat mir alles eingesaut. Das iPad ist geladen, der Fuß schmerzt nicht mehr ganz so sehr, (ich habe ihn den ganzen Tag gekühlt) Und so zieht es mich weiter, Richtung Fürstenwalde, wo ich in etwa zwei Tagen ankommen kann.
Der Mond ist fast voll, ich sitze auf einer Bank, die auf einem Holzsteg steht, der in den See hinaus gebaut worden ist.
Die Lichter von Strausberg, das gegenüber liegt spiegeln sich im Wasser.
Eine letzte Nacht an diesem romantischen Platz. Aber auch das bedeutet wandern, immer wieder Abschied nehmen und nicht wissen, was der kommende Tag bringt.
Ich gruesse euch ganz herzlich, besonders all jene, die mir Reiki, Heilung und gute Gedanken für meinen Fuß geschickt haben.
Gute Nacht
Heide
P.S. Merkt Ihr, mit dem Korrekturlesen klappt es jetzt besser. Ist aber auch eine Frage von Müdigkeit.


Donnerstag, 3. Mai 2012
Station in Strausberg
Ihr Lieben,
ich werde mindestens zwei Tage in Strausberg bleiben, um meinen Fuß mit Blutegeln um Kohlwickeln zu behandeln. Ich habe wenig Strom im iPad und muss noch bei Helligkeit die Egel setzen. Deshalb mache ich für heute Schluss.
Heide


Mittwoch, 2. Mai 2012
Alles hat zwei Seiten
Fange ich mal mit der schönen Seite an: am vergangenen Abend habe ich ja,wegen des Gewitters, mein Zelt am Straßenrand aufgebaut. Das Schöne daran, es hat die ganze Nacht eine Nachtigall gesungen.
Das Ungute, ich habe kaum ein Auge zugemacht. Die Autos führen bis spät an meinem Zelt vorbei,aber vor allem der Rinderbetrieb,der gleich hinterm Zaun ist, hat die ganze Nacht gearbeitet. Trecker, direkt neben mir, Gescheppert und geknall, bis 3 Uhr war Lärm dann muss ich wohl doch etwas eingeschlafen sein. Aber immer wieder wurde ich wach, deshalb weiß ich so genau, dass das Vögelchen die ganze Nacht gesungen hat.
Die Landschaft, durch die ich heute gewandert bin, war nicht so sehr aufregend,eher großflächige Landwirtschaft und niedrige Nadelwälder .
Aber die Rapsfelder blühen! Das sieht so fröhlich aus. Hier im Norden überstürzt sich die Natur, alles blüht gleichzeitig. Selbst die wilde Möhre kommt schon, und der Silberpfennig steht in voller Blüte.
Kirsche und Apfel blühen gleichzeitig, zu mindest einige Sorten.
Heute Abend war es mal wieder schwierig, an Wasser zu kommen, weil der "Bach" ein einziges Sumpfgebiet war. Und die Mücken haben mich fast verrückt gemacht. Ich bin dann, weiter, als ich wollte, zu einem kleinen See gewandert. Das Wasser ist klar, aber der Untergrund so morastig, das man dreckig aus dem Wasser käme, weil man alles aufwühlt, wenn man an Land geht. Ich wäre gern geschwommen, aber war auch froh, duschen zu können.
Dabei schöpfe ich mit Yukons Napf Wasser aus dem See und gieße es über mich.
Die Frösche quaken, die Entwn schreien und die Flugzeuge machen einen erheblichen Lärm. Ich bin halt nah bei Berlin. Aber ich denke, ich kann trotzdem schlafen. An die tierischen Geräusche gewöhne ich mich ganz schnell.
Morgen soll es regnen. Wird auch höchste Zeit, die Pflanzen schreien nach Wasser. Sogar der Löwenzahn hängt matt, weil alles so trocken ist.
Wenn es gut läuft , werde ich morgen Strausberg erreichen und wahrscheinlich zwei Tage Pause machen, um meine Sachen in Ordnung zu bringen.
Alles Liebe Heide

Rapsfeld


Dienstag, 1. Mai 2012
Der schönste Platz der Welt ?
Heute bin ich nicht so früh losgekommen, da es gestern abend spät war.
Das hatte zur Folge, dass ich noch ein Lunchpaket mitbekam, ganz liebevoll zubereitet, und Yukon 4 Würstchen.
Ich war noch keinen km gewandert, da kam ich in eine Landschaft, wie ich sie , glaube ich, noch nie so schön erlebt habe.Kennt Ihr das, dass es vor lauter Schönheit weh tut ? Ich habe zwar ein Foto gemacht, aber ich werde es nicht einstellen, weil ich immer wieder enttäuscht bin, wie wenig meine Fotos die Realität treffen.
Welliges Wiesenland, überall Baumgruppen, blühende Apfelbäume, Wiesenschaumkraut, Löwenzahn , ein Graben mit fliessendem Wasser , Sonnenschein, Vogelgesang, sogar einen Pirol habe ich gehört. Der Pirol ist ganz selten, ich habe ihn erst dreimal gehört und gesehen, in meinem ganzen Leben. Ich konnte einfach nicht weiter gehen, ich habe mich hingesetzt und alles ganz tief in mich aufgenommen. Ich glaube, dieses Bild werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Dann bin ich zügig weitergewandert, aber gegen Mittag wurde es so heiß, dass wir eine lange Pause machen mussten.
Ich wollte in den Abend hinein wandern, aber dann gab es ein Gewitter.
Ich konnte gerade noch Trinkwasser besorgen, aber zum Suchen eines Zeltplatzes blieb keine Zeit mehr. So habe ich das Zelt an den Straßenrand gestellt, hoffentlich ist heute Nacht nicht so viel Verkehr. Es ist ein kleines Dorf (Albertshausen) die ersten Regentropfen fielen schon, als ich anfing aufzubauen, aber das Zelt steht ja in ein paar Minuten und ich hoffe, dass bis morgen alles wieder trocken ist. Ich habe die Klamotten im Zelt mit Sicherheitsnadeln aufgehängt. Wenn wir morgen fleißig wandern, können wir einen Bach erreichen, an dem wir bis Straussberg entlangwandern können (übermorgen) eigentlich wollte ich dann nur bis mittags wandern, um meine Sachen zu waschen und in Ordnung zu bringen, aber es ist Regen angesagt.
Evtl muss ich in Straussberg ein Zimmer nehmen, der Rucksack muss unbedingt vom Öl gereinigt werden. Er saut mir alle Sachen ein. Wenn man einen schweren Rucksack aufsetzen will, hebt man ihn erst aus Knie, geht mit einem Arm in den Träger, zieht den Rucksack am Beckengurt auf den Rücken und setzt ihn dann richtig auf. Der Rucksack ist von unten nie ganz sauber, darum wird die Hose am Knie immer zuerst schmuddelig. Aber nun kommt zum Staub, der normal ist, noch Fett vom Öl. Die Hose, die ich nachts trage, will ich nicht anziehen, denn dann sind alle Klamotten versaut. Zum Glück sieht man es auf der kakifarbenen Hose nicht ganz so stark und die Bluse ist frisch und sauber. Mir ist es auf meinen Wanderungen äußerst wichtig, nie gammelig auszusehen. Aber nun ist die Grenze erreicht und ich kann erst in zwei Tagen Abhilfe schaffen.
Der Fuß ist unverändert , wenn es so bleibt, kann ich damit gut leben.
Der Regen hat aufgehört, es ist zwar erst gegen halb neun, aber ich will schlafen, um morgen ganz früh los zu kommen.
Euch allen viele liebe Grüße
Heide

Blühende Obstbäume


Kommunikation
Dieser Beitrag gehört noch zu gestern. Ihr erinnertEuch, am Abend hatten wir sehr wenig Wasser, weil der Graben ausgetrocknet war. Aber, oh Glück, am naechsten Tag fanden wir schon nach 2 km eine brauchbare Wasserstelle.
Dann sind wir 3 Stunden durch wunderschöne Buchenwälder gewandert, siehe Foto. Als wir ins nächste Dorf kamen, bin ich in das Gestüt Elchgrund gegangen, um um Wasser zu bitten und um das iPad eine Weile an den Strom zu hängen. Ichhabe innerhalb einer halben Stunde 1,5 l Wasser getrunken, so durstig war ich.
Es ergab sich ein wunderschoenes Geapraech, in dem ich von dem Lebensweg der Eigentümerin erfuhr, die mit bewundernswerter Energie und Konsequenz ihren Traum verwirklicht hat, ein Gestuet aufzubauen und Tierärztin zu werden. Es ist so schön, wenn Menschen den Traum ihres Lebens verwirklichen.
Da der vorherige Tag bei mir in völligem Schweigen durchlebt wurde, gehen Gespräche dann sehr tief und man denkt noch lange und intensiv darüber nach.
Und am Abend, als ich um Trinkwasser bat, wurde ich zu einem Fest eingeladen. Die Nacht zum 1. Mai sollte gefeiert werden. Es waren 4 Generationen, die in einem Haus, aber eigenen Wohnungen, leben und deren Verwandte. Ein Feuer brannte, die vielen Kinder, etwa 8, spielten herum, die Atmosphäre war entspannt und offen.
Nach Tagen der Stille,so ein Tag voller Kommunikation!
Mein Zelt dürfte ich auf dem Grundstück aufstellen, schon bevor ich zudem Fest gegangen bin.
Voll Dankbarkeit denke ich an jene Menschen, die mir einen so schönen Abend bereitet haben.
Heide


Dienstag, 1. Mai 2012
Zuversicht
Ihr Lieben,
mein Fuß ist nicht schlimmer geworden, eher etwas besser. Die Schmerzen sind nicht mehr so stark und ich kann sogar schon wieder ein klein wenig über die Zehen abrollen. Nur morgens und nach längeren Pausen tut es ziemlich weh, gibt sich aber nach wenigen Schritten. Vielleicht war der Rat mit dem Vitamin B erfolgreich, vielleich aber auch die Umschläge mit katte Salbe und die Einreibungen mit Voltaren. Wenn alles nicht hilft, könnte ich es mit Blutegeln versuchen, das ist mir heute Nacht eingefallen.
Da es schon 22.30 Uhr ist, ich war bei einer Gartenfeier mit Feuer und köstlichen Salaten, vor allem aber mit lieben Menschen, eingeladen.
Ich Zelte auf deren Grundstück und will morgen zeitig los. Deshalb morgen mehr.

Gute Nacht und einen wunderschönen Mai
Heide



Sonntag, 29. April 2012
Yukon muss hungern
Ihr Lieben,
heute, ganz früh, bin ich losgewandert. Es war so gut, endlich wieder unterwegs zu sein. Die Lerchen sangen, die Tauben gurrten, Kraniche zogen ihre Runden, Frösche quakten und die Vögel sangen alle um die Wette.
Es war schon am frühen Morgen sehr warm, so dass ich nur mit einer kurzärmligen Bluse wandern konnte. Und es ging gut. Die Schmerzen hielten sich in Grenzen und verschlimmerten sich auch nicht. Ich müsste nämlich weiter wandern, als geplant, weil das Haus, das in der Karte eingezeichnet war, und in dem ich Wasser holen wollte, sich als Ruine entpuppte.
So wanderte ich bis Klosterfelde im Barnimer Land. Ich besorgte Wasser zur Nacht und wanderte dann zu einem Landgraben, der als wasserführend eingetragen war. Welche Enttäuschung, als wir sahen, dass er keinen Tropfen Wasser hat. Ich kann mich nicht waschen und Yukon hätte aus dem Graben trinken sollen. So ist das Wasser sehr, sehr knapp. Deshalb kann ich Yukon das Trockenfutter nicht geben, dazu braucht er viel,viel Wasser. Zum Glück hat er heutenmorgen reichlich gefressen und mittags, außer der Reihe noch 5 Butterbrote abbekommen, damit mein Rucksack leichter wird.
Ich habe rohen Kohlrabi mit Käse zum Abend gegessen, Knäckebrot wäre zu staubig ohne zu trinken. Käse ist für den Salzhaushalt wichtig.
Zum waschen habe ich meinen Waschlappen in drei Stücke gerissen, alle drei feucht gemacht und mich nacheinander mit allen abgerieben. In der Wüste hatten wir oft nur 0,5 l Wasser zum waschen, das habe ich gelernt, aber heute war es nur eine halbe Tasse voll.
Wir haben noch etwas Trinkwasser für morgen früh.
Schließen möchte ich mit einem Gedicht von Eichendorff, das meine Stimmung wiedergibt:
Es war, als hätt der Himmel, die Erde sanft geküsst,
das sie im Blütenschimmer von ihm nur träumen müsst.
Die Luft ging durch die Felder, die Ähren schwankten sacht.
Es rauschten leis die Wälder, ganz sternklar war die Nacht.
UND MEINE SEELE SPANNTE SANFT IHRE FLÜGEL AUS
Flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus .
Euch eine schöne Woche
Heide



Samstag, 28. April 2012
Uroma wandert heiter immer, immer weiter
So, am Sonntag um 5 Uhr früh werde ich mich wieder auf den Weg machen. Ich bin nun lange genug vernünftig gewesen, ohne dass eine Besserung eingetreten ist. Ich werde sehr vorsichtig sein und viele Pausen einlegen.
Ganz im Innern bin ich ein wenig besorgt,ob ich es schaffen kann. In solchen Momenten ist es schwer meinem Grundsatz treu zu bleiben: " das alles aus einem Grund geschieht und das sich alles in göttlicher Ordnung befindet."
Mein Wille, diese Wanderung zu machen ist sehr stark.
Na ja, mit so vielen guten Wünschen von Euch kann es ja nur gut gehen.
Übrigens, die vielen Fehler produziert mein iPad, wenn ich nicht aufpasse. Es schlägt mir viele Worte vor und setzt sie ein, wenn ich nicht protestiere. Es Tat mir leid zum Beispiel, da schreibt das kleine Ding doch einfach tat groß. Nur wenn ich das Wort wegdrücke bleibt es richtig, aber da ich nicht blind schreibe und oft vergesse Korrektur zu lesen, schleichen sich Fehler ein.
Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
Heide



Freitag, 27. April 2012
Nicht jammern
In den nächsten Tagen werde ich nichts in den Blogg schreiben, weil ich nicht jammern will. Nicht, dass ich viel Schmerzen hätte, sondern ich bin genervt, weil der Fuß kaum besser geworden ist in den vergangenen 5 Ruhetagen.
Das verunsichert, wie es weiter gehen soll. Wenn es nicht bald besser wird, werde ich mich trotzdem wieder auf den Weg machen, wenn auch ganz vorsichtig und mit vielen Pausen.
Ein schönes Wochenende
Heide


Donnerstag, 26. April 2012
Ich sitze fest
Nachdem ich zum Einkaufen war, ist der Fuß wieder angeschwollen und Tat so weh, dass ich eingesehen habe, dass es unklug wäre, jetzt mit Gewalt zu versuchen weiter zu wandern. Ich muss mich wohl auf eine längere Ruhephase einstellen. Will noch einmal zum Arzt gehen.
Ich bin inzwischen recht ungeduldig.
Liebe Grüße Heide


Dienstag, 24. April 2012
Morgen gehts weiter
Obwohl mein Fuß noch nicht ganz gut ist, ich glaube, ich muss versuchen ganz vorsichtig wieder in Bewegung zu kommen. Morgen Will ich gegen Mittag loswanden,nur ein paar km, mein Fuß soll begreifen, dass ich ihn brauche.
Gute Nacht
Heide


Montag, 23. April 2012
Faulenzen kann auch ganz schön sein.
Ein breites, warmes Bett,( in dem man mittags ein Schläfchen machen kann)morgens ein heißer Kaffee, die Illustrierte beim Arzt, das Fernsehen am Abend, alles Dinge, die ich zu genießen weiß.
Und doch zieht es mich weiter. Die Sonne scheint, es ist schön kühl zum Wandern, und ich sitze hier fest!
Aber die Ärtzin meint, es sei nur eine Überanstrengung der Sehne zwischen Fußgelenk und Ferse. Ich reibe fleißig mit Voltaren ein, ob ich die Schmerztabletten nehmen soll, die einen Entzuendungshemmer enthalten, weiß ich noch nicht. Wenn ich die Schmerzen nicht mehr spüre, besteht die Gefahr einer Überanstrengung.
Yukon wird zur Zeit Super ernährt, er darf , in kleineren Portionen, den ganzen Tag fressen, damit er wieder etwas Übergewicht bekommt. Er wird es brauchen.
Nun etwas Anderes:
Wisst Ihr, dass jeder Wassertropfen eine eigene Identität hat? Der Japaner Professor Timoto hat Wassertropfen eingefroren, den Kristall fotografiert, den Wassertropfen aufgetaut, erneut eingefroren und der Kristall ist immer derselbe. Keine zwei Wassertropfen bilden einen identischen Kristall.
Was das mit meiner Wanderung zu tun hat? Sehr viel! Ich sehe, dass eine Schlehe blüht, während alle anderen noch fest geschlossene Knospen haben.
Die Pflanzen haben den gleichen Standort, die gleichen Bedingungen und doch sind sie nicht gleich in ihrem Verhalten. Genau so ist es mit den Wolken und allem, was uns umgibt. ALLES IST EINZIGARTIG. Der Mensch wird ganz klein, je mehr er sich der Natur aussetzt.
Für heute liebe Grüße
Heide


Sonntag, 22. April 2012
Du mußt Gummibärchen essen!
Mädel, so viel Energie, wie Du verbrauchst, kannst Du gar nicht aufnehmen!
So sorgte sich ein Gastwirt, der mir meine Wasserflasche auffüllte .
"Iß Gummibärchen, da ist viel Gelantine drin,das ist gut für die Gelenke."
Ich mag keine Gummibärchen, und es sind auch nicht die Gelenke, die mich heute zu einer Zwangspause zwingen, sondern eventuell die Sehnen im linken Fuß. Seit gestern Abend leichte Schmerzen, die sich auch im Laufe des Tages nicht gebessert haben. Um nichts Ernsthaftes daraus werden zu lassen, habe ich beschlossen, heute in Liebenwalde ein Zimmer zu nehmen und zu bleiben, bis der Fuß wieder völlig in Ordnung ist. Ich habe eine ganze Ferienwohnung für 20 .-€ pro Tag bekommen. das ist gut, damitich nicht essen gehen muß,sondern selber kochen kann.
Ein bisschen traurig bin ich schon, mit dem Fuß hatte ich noch nie Probleme.
Aber ich habe gelernt, dass ich in meinem Alter auf meinen Körper achten muß und Geduld haben.
Aber die Wanderung heute war trotzdem schön, ich bin den ganzen Tag am Kanal entlang gegangen.
Euch allen eine schöne Woche
Heide

15 km am vosskanal entlang von zedenick aus


Samstag, 21. April 2012
Juhu!!! Unterhosen !
Was nimmt man auf eine Wanderung mit? So wenig, wie möglich. Also, drei Unterhosen. In der vergangenen Woche ist mir eine abhanden gekommen. Ich hatte sie zum trocknen mit einer Sicherheitsnadel am Rucksack befestigt. Sie muss wohl an einem Baum hängen geblieben sein. Zur grössten Not reichen ja auch zwei. Aber, o Pech, heute Morgen, als ich alle meine Wäsche abgenommen habe, war die Unterhose noch recht feucht und ich wollte sie noch ein Weilchen hängen lassen. Und dann habe ich sie vergessen. Also, nur eine Unterhose ist entschieden zu wenig. Die meisten Geschäfte in Zehdenick hatten schon zu, da es Samstag Nachmittag war. Aber oh, Glück, der Kick hatte noch offen, die Unterhosen sind wieder vollzählig und jetzt werde ich hoffentlich besser auf meine Sachen aufpassen.
Heute möchte ich Euch von den Tieren erzählen, die mir begegnet sind. ( nicht alle heute) Unter einem trockenen, abgebrochenem Kiefernzweig suchte eine Haselmaus nach Brauchbarem. Als ich auf einen Meter herangekommen war, ließ sie sich immer noch nicht stören. Vorsichtig näherte ich mich auf 30 cm.
Noch immer keine Reaktion. Ich hatte noch nie eine Haselmaus Life gesehen. So konnte ich sie ganz genau betrachten. Dann sprach ich sie leise an. Noch immer keine Reaktion. Erst, als ich vorsichtig den Ast anhob, lief sie ein Stückchen weiter.
Am See machten die Wasservögel plötzlich einen solchen Krach, dass ich dachte, ein Fuchs sei unterwegs. Aber nein, ein großer Raubvogel trieb sich am anderen Ufer herum. Kurz darauf Tat er mir den Gefällen und flog nah an mir vorbei. Da konnte ich erkennen, dass es sich um einen Seeadler handelte.
Seeadler sind sehr selten, ich habe erst zwei mal welche in freier Natur gesehen.
Oder der Vogel, der mit ganz merkwürdigen Rufen meinen Weg begleitete. Was mag das für ein Vogel sein, fragte ich mich. Er rief, flötete, erzählte, erst als er, wenn auch nicht ganz gekonnt, den Ruf der Meise imitierte, wusste ich, dass es sich um einen Star handelt. Stare sind die Papageien unter den einheimischen Vögeln. Sie kopieren andere Vogelstimmen, ganz oft allerdings die Singdrossel.
Dann der dicke, Schwarze Käfer, der hilflos auf dem Rücken lag. Vorsichtig habe ich ihn umgedreht. Da sah ich, dass er ein Hinterbein nachschleppte. Wahrscheinlich wird er wieder Augen Rücken gefallen sein. Soll ich ihn töten, damit er sich nicht lange zu quälen braucht? Ich konnte es nicht, ich denke, jeder muss seinen eigenen Tod sterben.
Die junge, kleine Fliege, die im See hilflos zappelte, konnte ich rausfischen. Ich setzte sie auf ein Stück Holz und schaute zu, wie sie sich die Beinchen rieb, die Flügel zaghaft auf in ab klappte. Dann plötzlich erhob sie sich und flog auf meinen Arm. Nur eine kleine Fliege? Ein unglaublich zartes Geschöpf, das leben will!
Es gibt Lebewesen, die wie Käfer aussehen, aber noch keine Flügel haben. Ihr Hinterleib besteht aus vielen, ganz weichen Ringen, während der Kopf und die Beine voll ausgebildet sind. Ich vermute, dass es sich um eine Entwicklungsphase des Käfers handelt.
Wildschweine habe ich nur an den aufgewühlten Flächen und an den Suhlen erkannt, aber nicht zu Gesicht bekommen.
Ebenso sah ich nur die Spuren von Hirschrudeln, mit ganz unglaublich großen Fußabdrücken des Stammhirsches, sowie recht kleinen der Kälber.
Rehe laufen uns ständig über den Weg. Zum Glück zeigt Yukon keinerlei Interesse am jagen.
Den Lerchengesang musste ich hinter mir lassen, hier im Havelland gibt es keine Lerchen mehr ( wie in fast allen Gegenden Deutschlands)
Na ja, und wenn ich schon von Tieren erzähle, will ich Yukon nicht unerwähnt lassen. Seine Kondition hat sich deutlich verbessert. Oft ist er selbst am Abend noch wach und interessiert. Bis jetzt hat er genug und gesund zu fressen bekommen. Heute sogar 400 Gramm Rinderhackfleisch. Ich muss darauf achten, dass er genug Eiweiß bekommt. Oft helfen wir uns mit Eiern über die Ründe (Schweinefleisch verträgt er nicht) Wenn ich mal stehen bleibe, um auf die Karte zu schauen, jault Yukon leise und sagt mir:" Komm, ich will weiter." es ist so schön in den zarten Frühling hineinzuzwängen.
Jetzt blühen auch hier die Kirschen und die Birken stehen im flaumig, schaumigem Grün.
Ich bin heute zwischen Havel und Vosskanal auf einem Damm entlang gewandert. Morgen noch einmal nach Liebenwalde.
Gerade, als es zu regnen begann, hatte ich mein Zelt aufgebaut. Glück gehabt.
Euch alles Güte. Genießt, was Ihr habt, nehmt nichts als selbstverständlich.
Gute Nacht Heide

See bei Zedenick


Freitag, 20. April 2012
Wandernder Wäscheständer
Heute war mein Losungswort HUMOR.
In der Nacht hatte es leicht geregnet, und meine Wäsche war nicht trocken geworden. Was macht man in so einem Fall? Man heftet sich die nassen Stücke mit Sicherheitsnadeln an den Rucksack. Immer, wenn ich durch ein Dorf kam, habe ich die Unterhose abgehängt. Aber als die Sonne so schön schien und ich zum Essen in einem Gartenlokal saß, konnte ich nicht anders, als die Sachen auf dem Stuhl neben mir auszubreiten..Die anderen Gäste saßen weit entfernt und ich dachte: nehmen wir es mit Humor! Es ist ja das Losungswort.
Ich bin den ganzen Tag an der Havel entlang gewandert. Lerchengesang hat mich begleitet.
Gegen Abend kamen einige kleine Gewitter auf. Weit und breit kein geeigneter Zeltplatz. So beschloss ich, heute schon den Waschtag einzulegen und mir ein Dach über dem Kopf zu suchen. In einem Hotel, in dem ich fragte, war es nicht möglich, ein Matratzkenlager für 20.-€ zu bekomme. Mehr will ich nicht ausgeben. Also zog ich weiter. Plötzlich hielt ein Auto und ein freundlicher junger Mann fragte, ob ich nach einer Unterkunft gefragt hätte. Seine Angestellte habe es nicht gewusst, aber natürlich würde er es möglich machen.
So liege ich jetzt in einem Bett in einer kleinen Holzhütte .Alle Klamotten sind gewaschen, iPad ist geladen, so dass es morgen weiter gehen kann.
Am Abend habe ich in der Dämmerung draußen gesessen, der Wirt hatte mir eine kleine Flasche Rotwein geschenkt, die ich getrunken habe und den vorbeifahrenden Schiffen auf der Havel nachgeschaut habe.
Euch allen, die Ihr mich so liebevoll begleitet,eine gute Nacht.
Eure Heide.